HR Mythbusters: Alles Pareto, oder was?!

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HR Mythbusters: Alles Pareto, oder was?!

Nachdem ich vor ein paar Wochen die HR Mythbusters-Blogparade ins Leben gerufen hatte und ein paar wirklich spannende Beiträge dabei entstanden sind, habe ich mir überlegt, dass ich aus der Idee eine kleine fortlaufende Rubrik hier in meinem Blog machen möchte.

In der Zukunft werde ich also hier an dieser Stelle über große und kleine Mythen in der Personalentwicklung schreiben und ein wenig Aufklärungsarbeit über zu den Modellen und Theorien leisten, die so gerne verkürzt, verfälscht und verfremdet genutzt werden. Vielleicht kann ich so einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass sie irgendwann ganz verschwinden oder zumindest richtig wiedergegeben werden – Die Hoffnung stirb ja bekanntermaßen zuletzt.

Das Pareto-Prinzip

Das Pareto-Prinzip wird immer wieder gerne genutzt, um Schulungs- und Seminarteilnehmern zu verdeutlichen, dass man mit wenig Zeitaufwand bereits einen Großteil der Arbeit erledigen kann. Zeitgleich verschwendet man einen Großteil der aufgewendeten Zeit mit kleinen Details, die relativ wenig Effekt beziehungsweise Ergebnis bringen. In Zahlen bedeutet das angeblich: Man verwendet 20 % Zeit für 80 % Ergebnis und für die restlichen 20 % Ergebnis verschwendet man dann 80 % der restlichen Zeit.

Der Mythos

Der Mythos, der beim Pareto-Prinzip entstanden ist, ist nun der, dass die oben genannten Prozentzahlen vollkommen unreflektiert auf jede Tätigkeit übertragen wird. 80 % eines Blogartikels schreiben wir in 20 % der Zeit, während wir für die restlichen Feinheiten (20 %) die verbliebenen 80 % Zeit verbraten. 80 % Prozent eines Autos waschen wir in 20 % der Zeit, während wir für die verbliebenen Kleinigkeiten (20 %) ebenfalls wieder 80 % Zeit aufwenden müssen. Egal, was wir tun, es gilt das 80/20 Verhältnis.

Die Wahrheit

Tatsächlich basieren die Zahlenwerte des Pareto-Prinzips auf einer echten Grundlage: Vilfredo Pareto fand nämlich heraus, dass 20 % der Bevölkerung Italiens 80 % des Bodens besaß. Daraus schlussfolgerte er (berechtigterweise), dass sich Banken bei ihren Geschäften sinnvollerweise auf diese 20 % konzentrieren sollten, da sie so bereits 80 % der Grundbesitzer abgedeckt hätten. Die 80-20-Regel verführt nun viele dazu, erstens anzunehmen, dass die beiden Zahlen immer 100 % ergeben müssen und zweitens, dass das Verhältnis immer 80/20 sein muss.

Aber das muss ja gar nicht der Fall sein! Man sieht es schon am Beispiel der Grundbesitzer: Hätten im Italien des 19. Jahrhunderts 15 % aller Bürger 70 % allen Bodens besessen, würde das Pareto-Prinzip heute vielleicht als 15-70-Regel umhergeistern.

Natürlich stimmt es grundsätzlich, dass man meistens in relativ wenig Zeit einen Großteil der Arbeit bereits geschafft hat und dass die kleinen Details oft sehr viel Zeit verschlingen. Aber um das zu veranschaulichen, brauchen wir nicht vollkommen unreflektiert und falsch das Pareto-Prinzip nutzen, sondern können den gesunden Menschenverstand unserer Schulungsteilnehmer bemühen.

Von | 2017-11-09T09:46:55+00:00 6. November 2017|Kategorien: Modelle, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung|Tags: , |0 Kommentare

Über den Autoren:

Ich bin Personal- & Organisationsentwickler und freiberuflich als Trainer und Berater tätig. Meine Themenschwerpunkte sind Motivation, Führungskräfteentwicklung, digitales Lernen und konstruktivistische Lerntheorie.

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