Multimediales Lernen

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Multimediales Lernen

Die Gestaltung von Flipcharts und PowerPoint-Folien, aber auch die Umsetzung von Lernvideos ist eine hohe Kunst, denn Sie als Trainer möchten Ihre Medien ja so gestalten, dass von Ihren Lerninhalten möglichst viel bei den Teilnehmern hängen bleibt.

Die sechs Prinzipien des multimedialen Lernens geben Ihnen eine gute Orientierungshilfe für die visuelle Gestaltung Ihrer eingesetzten Medien und bewahren Sie vor unscheinbaren Stolperfallen, die aber einen großen Einfluss auf die Behaltensleistung Ihrer Teilnehmer haben!

1. Prinzip – Duale Kodierung

Das Prinzip der dualen Kodierung besagt, dass unser Gehirn leichter Informationen abspeichern kann, wenn sie uns als Bild und gleichzeitig als Text präsentiert werden.

Umsetzungstipps zur dualen Kodierung

Prinzip der dualen Kodierung

Wenn Sie eine Präsentation – egal ob Flipchart oder Power Point – erstellen, sollten Sie darauf achten, dass Sie wichtige Lerninhalte zusätzlich durch Symbole, Grafiken oder Icons dargestellen und die Informationen eben nicht nur als Schlagworte auf Ihrer Präsentation zu sehen sind. Allerdings reicht in vielen Fällen auch lediglich das Bild aus, sofern die Inhalte durch Sprache kommentiert werden – was bei den meisten Präsentationen ja der Fall sein wird. (Siehe weiter unten: Redundanzprinzip.)

2. Prinzip: Kohärenz

Das Kohärenzprinzip besagt, dass Lernern nur relevante und wichtige Informationen präsentiert werden sollen. Prüfen Sie daher Ihr Bildmaterial, ob es tatsächlich den gewünschten Informationsinhalt wiedergibt. Sie sollten Bilder niemals ausschließlich „zur Auflockerung“ nutzen, beispielsweise weil Sie ein bestimmtes Bild „einfach schön“ finden. Gleiches gilt selbstverständlich auch für textliche und sprachliche Informationen.

Umsetzungstipps zum Kohärenzprinzip

Kohärenzprinzip

Prüfen Sie Ihr Bildmaterial und überlegen Sie sich genau, warum und wieso Sie gerade dieses Bild an dieser Stelle Ihrer Präsentation genutzt haben. Entfernen Sie alle Bilder, die Sie lediglich zur Auflockerung Ihrer Flipcharts oder Power Point Folien verwendet haben. Zeichnen Sie also keine Hasen, wenn Sie nicht über Hasen reden.

3. Prinzip: Räumliche Nähe (Kontiguitätsprinzip I)

Prinzip der räumlichen Nähe

Das Prinzip der räumlichen Nähe (oder Kontinguitätsprinzipsagt aus, dass wir visuell dargestellte Elemente, die sich in unmittelbarer Nähe befinden, auch inhaltlich als zusammengehörig interpretieren (auch wenn dies gar nicht der Fall ist). Daher sollten Sie darauf achten, dass Sie Zusammengehörendes auch benachbart darstellen und Unterschiedliches räumlich durch Whitespace trennen.

Wenn Sie sich das links zu sehende Bild anschauen, machen Sie spontan drei Gruppen von Elementen aus. Allerdings muss diese spontane Gruppierung gar nicht korrekt sein, denn „eigentlich“ bilden alle Dreiecke, alle Kreise und alle Vierecke je eine Gruppe. Oder vielleicht gehören auch alle Farben zusammen?

Umsetzungstipps zur räumlichen Nähe

Um inhaltliche Zusammenhänge darzustellen, eignen sich ganz besonders visuelle Container, die Sie um Inhalte zeichnen können. Wenn mehrere Container zu einer Gruppe gehören, können Sie diese auch überlappend darstellen. Auch verbindende Pfeile sollten nicht „zwischen“ zwei Containern sein, sondern die Ränder der Container durchbrechen. Am besten schreiben Sie zunächst Ihre Inhalte auf das Flipchart, dann die Verbindungspfeile und zum Schluss die Container um den Text. Mit Farbe können Sie ebenfalls Zusammengehörigkeit hervorheben.

Prinzip der räumlichen Nähe
Prinzip der räumlichen Nähe
Prinzip der räumlichen Nähe
Prinzip der räumlichen Nähe

4. Prinzip: Simultane Darstellung (Kontiguitätsprinzip II)

Prinzip der simultanen Darstellung

Das Prinzip der simultanen Darstellung besagt, dass zusammengehörende Informationen auch gleichzeitig (simultan) dargestellt werden sollten. Sie signalisieren so eine noch stärkere Zusammengehörigkeit, als wenn Sie die Inhalte nacheinander darstellen.

Umsetzungstipps zur simultanen Darstellung

Informationen und Lerninhalte zu einem Themengebiet sollten Sie nicht über mehrere Flipcharts oder Power Point Folien verteilen, um Sie dann nacheinander zu zeigen, sondern Sie nach Möglichkeit gleichzeitig auf einem einzigen Flipchart bzw. Folie präsentieren. Wenn Sie sehr viele Inhalte haben, lohnt es sich zudem, darüber nachzudenken, die dargestellten Inhalte zu reduzieren, statt sie auf mehrere Folien zu verteilen. Auch eine MindMap kann hilfreich sein, eine große Anzahl an Inhalten übersichtlich darzustellen.

5. Prinzip: Modalität

Prinzip der Modalität

Das Modalitätsprinzip besagt, dass Sprache in Kombination mit einem Bild besser ist als lediglich das Bild mit einem dazugehörigen Text. (Siehe Duale Kodierung)

Umsetzungstipps zum Modalitätsprinzip

Wenn Sie einen Vortrag halten möchten oder ein E-Learning erstellen, sollten Sie Sprache der Nutzung von „reinem Text“ wann immer möglich vorziehen.

6. Prinzip – Redundanz

Prinzip der Redundanz

Das Redundanz-Prinzip sagt aus, dass eine Wissensvermittlung durch Bild und Sprache effizienter ist als die Vermittlung von Inhalten durch Bild, Sprache und Text. Auch die gleichzeitige Vermittlung von Text und Sprache – etwa das beliebte Vorlesen der Agenda, die jeder Schulungsteilnehmer auch selbst ablesen kann – wirkt sich negativ auf die Behaltensleistung Ihrer Teilnehmer aus!

Umsetzungstipps zum Redundanzprinzip

Verzichten Sie darauf, Wörter und Inhalte, die auf Ihren Flipcharts und Folien für jeden zu lesen sind, noch einmal vorzulesen. Geben Sie Ihren Zuhörern und Teilnehmern vielmehr Zeit und Gelegenheit, diese Informationen selbst zu lesen: Üben Sie das Schweigen. Umgekehrt gilt aber auch: Wenn Sie Ihren Teilnehmern etwas sagen, müssen Sie es nicht zwangsläufig noch einmal aufschreiben.

Auf gar keinen Fall sollten Sie etwas ganz anderes sagen/erzählen/reden, während Ihre Teilnehmer etwas lesen. Sie überlasten damit das Sprachzentrum in den Gehirnen Ihrer Zuhörer!

Fazit

Diese einfachen Regeln und Gestaltungsprinzipien sind extrem hilfreich, wenn Sie multimediales Lernen nutzen möchten, um Ihren Teilnehmern die Lerninhalte möglichst passend zu präsentieren. Es lohnt sich immer wieder, vor, nach und während der Flipchart-, Folien- oder Video-Gestalung einen Blick auf diese Checkliste zu werfen, um zu prüfen, ob nicht doch noch ein Fehler im Lerndesign steckt.

Von | 2016-10-24T21:22:06+00:00 9. Mai 2016|Kategorien: eLearning, Lernen, Medien, Video, Visualisieren|Tags: , |4 Kommentare

Über den Autoren:

Ich bin Personal- & Organisationsentwickler bei der MediaMarktSaturn Deutschland GmbH und außerdem freiberuflich als Trainer tätig. Meine Themenschwerpunkte sind Führungskräfteentwicklung, Motivation, E-Learning und konstruktivistische Lerntheorie.

4 Kommentare

  1. […] dualen Kodierungs-Theorie folgend sollten Sie nach Möglichkeit veranschaulichende Bilder, Icons und Symbole verwenden, um […]

  2. […] Visualisierungen gegenüber dem (reinen) Wort sind.(1) Eine große Rolle spielt dabei auch die kognitive Theorie des multimedialen Lernens. Auch in unserem alltäglichen Sprachgebrauch hat sich diese Erkenntnis niedergeschlagen. Nicht […]

  3. […] wird. Worauf Sie bei Präsentationen und Flipcharts achten sollten, können Sie im Artikel Multimediales Lernen […]

  4. […] funktional eingesetzt werden. Das erleichtert unserem Gehirn das Speichern von Informationen durch multimediales Lernen und bietet zudem mehr Möglichkeiten, komplexe Themen einfach […]

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