Profit ist nicht das Unternehmensziel

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Profit ist nicht das Unternehmensziel

Wenn man Unternehmen nach ihren Zielen fragt, dann erhält man in der Regel Antworten wie diese: „Wir möchten im Jahr 2017 den Umsatz um 10 % steigern“ oder „Wir möchten einen Jahresumsatz von 500 Millionen Euro erreichen.“

Der allgemeine Konsens ist: Unternehmen sind in erster Linie dazu da, Profit machen. So sind die Regeln der Wirtschaft. Profit ist nun einmal das oberste Ziel der Wirtschaft und dem hat sich alles andere unterzuordnen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Selbstverständlich müssen Unternehmen Profit erzielen. Unternehmen, die das nicht schaffen, existieren über kurz oder lang nicht mehr. Gewinn zu machen, ist eine notwendige Bedingung für die Existenz eines Unternehmens. Aber Gewinn und Profit sind eben genau (und nur) das – eine notwendige Bedingung – und nicht mehr.

Profit zu erzielen, ist nicht das Ziel eines Unternehmens, sondern das Ergebnis. Profit entsteht, wenn ich mein Unternehmensziel erreicht habe. Das Unternehmensziel selbst ist ein ganz anderes – oder sollte es zumindest sein. Das Ziel eines Unternehmens wird verkörpert durch die Vision, die ein Unternehmen hat. Diese Unternehmensvision ist der Sinn und Zweck seiner Existenz. Setzt man an diese Stelle „Profit“, dann ist das Unternehmen als Ganzes genauso extrinsisch motiviert wie der einzelne Mitarbeiter, der ausschließlich aufgrund eines Bonus‘ seinen Beruf ausübt.

Ein Möbelhersteller dessen Unternehmensziel es ist, einen möglichst hohen Gewinn anzustreben, wird ohne zu zögern auch andere Produkte anbieten: Urlaubsreisen, Kreditverträge oder Versicherungen. Wenn dieser Möbelhersteller dann feststellt, dass Versicherungen deutlich mehr Profit erzeugen als es seine eigenen Möbel tun, wird er vielleicht sogar dazu übergehen, nur noch Versicherungen zu verkaufen. Genauso wie ein Mitarbeiter, der in einen vollkommen anderen Job wechselt, nur weil dieser ihm mehr Lohn bietet. Für Unternehmen gilt meiner Meinung nach genau das Gleiche wie für Menschen: Extrinsische Ziele entwerten die Tätigkeit selbst und machen sie beliebig: Hauptsache, das Ergebnis stimmt.

Jetzt denken Sie vielleicht, dass das romantisierendes Denken sei und die Wirtschaft nun einmal anders funktioniere.

Aber das Gegenteil ist der Fall: gerade die Firmen, die eine starke Unternehmensvision haben, die Sinn, Bedeutung und Zweck des Unternehmens für Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen vermittelt, sind besonders erfolgreich. Es sind diejenigen Firmen, die wissen, warum sie etwas tun. Wenn Sinn und Bedeutung des eigentlichen Tuns einer Firma durch eine Vision vermittelt werden, dann bietet dies zudem den entscheidenden Faktor für die Entstehung von Flow und Motivation. Ein Möbelhersteller, dessen Vision es ist, „einen besseren Alltag für die vielen Menschen zu schaffen“, gibt dem Tun seiner Mitarbeiter Bedeutung. Diese Vision erzeugt auch Innovation. Denn so wie sich der Alltag der Menschen verändert, so muss sich auch die Produktpalette beständig verbessern und weiterentwickeln. Dieser Möbelhersteller wird keine Reisen verkaufen, Kreditkartenanbieter sein oder Versicherungen verkaufen. Er stellt Möbel her, die den Alltag für viele Menschen verbessert. Dieser Möbelhersteller ist IKEA.

Von | 2017-10-06T16:09:39+00:00 22. Mai 2017|Kategorien: Organisationsentwicklung|Tags: |1 Kommentar

Über den Autoren:

Ich bin Personal- & Organisationsentwickler bei der MediaMarktSaturn Deutschland GmbH und außerdem freiberuflich als Trainer tätig. Meine Themenschwerpunkte sind Führungskräfteentwicklung, Motivation, E-Learning und konstruktivistische Lerntheorie.

Ein Kommentar

  1. […] die sogar von echten New Work Enthusiasten genutzt wird, ist grundsätzlich falsch, denn Profit ist kein Unternehmensziel – es ist dessen Ergebnis. Erst, wenn wir uns davon lösen, Profit als oberstes Ziel eines […]

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