Rezension: Alle Macht für Niemand

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Rezension: Alle Macht für Niemand

Ich glaube, Andreas Zeuch geht es in seinen Vorträgen und Veranstaltungen oft wie mir: Kommt das Stichwort „Mehr Autonomie für Mitarbeiter“ zur Sprache, geht ein Raunen durch den Raum der Grauen Eminenzen.

In „Alle Macht für Niemand – Aufbruch der Unternehmensdemokraten“ zeigt Zeuch auf, dass die Argumente, die gegen mehr Mitbestimmung in Unternehmen ins Feld geführt werden, allesamt entkräftet werden können. Im Grunde gibt es kein stichhaltiges Argument, Mitarbeitern nicht mehr Entscheidungsgewalt zu geben – außer die Angst vor dem eigenen Machtverlust.

4.4 / 5 Gesamt
Pro
  • Zeigt vielfältige Wege auf
  • Stichhaltige Argumente für mehr Demokratie
  • Stichhaltige Argumente gegen Hierarchien
  • Provokant und auf den Punkt
Kontra
  • Passagen über die Anreise
Aufmachung
Inhalt
Praxisbezug
Preis

Aufmachung und Aufbau

Das 264 Seiten starke Buch „Alle Macht für niemand“ gliedert sich in insgesamt drei Teile. Im ersten Teil (Provokoation) beschäftigt sich Andreas Zeuch auf 71 Seiten unter anderem mit den sechs beliebtesten Argumenten, die gegen mehr Mitbestimmung in Unternehmen ins Feld geführt werden, die allesamt nachvollziehbar und logisch konsequent widerlegt werden.

Im zweiten Teil (Inspiration), dem Herzstück des Buches, stellt Zeuch acht sehr unterschiedliche Unternehmen und ihre acht ganz individuellen Lösungen und Wege zu mehr Unternehmensdemokratie vor. Die Wege der Unternehmen werden anschaulich und detailliert beschrieben, jedes Kapitel beginnt mit einem rot unterlegten Infokasten, der stets eine gute Zusammenfasstung bietet. Der Umfang dieser Kapitel liegt bei ca. 20 Seiten pro vorgestelltem Unternehmen.

Der dritte und abschließende Teil (Aktion) ist der Versuch einer Zusammenfassung gemeinsamer Merkmale, wie Unternehmensdemokratie etabliert werden kann. Trotz aller Unterschiedlichkeiten liegen allen acht Wegen wichtige, gemeinsame Prinzipien zugrunde, die Hilfestellung und Orientierungshilfe für diejenigen sein können, die sich gemeinsamen mit ihren Mitarbeitern zu mehr Mitarbeiterbestimmung aufmachen möchten.

Inhalt

„Alle Macht für niemand“ beginnt mit einer Zahl: 1 306 900 000 000. Dies ist der Eurobetrag, der deutschen Unternehmen in den Jahren 2001 bis 2013 durch mangelndes Engagement und fehlende Motivation ihrer Mitarbeiter verloren gegangen ist. Belegt wird er durch verschiedene Studien, die der Autor geschickt und nachvollziehbar miteinander verbindet und dabei sogar für seine Rechnung nur die jeweils untere Grenze genutzt hat. Gut möglich also, dass der reale Verlust noch viel höher liegt.

Für Zeuch liegt der Schlüssel für mehr Motivation auf der Arbeit vor allem in einer Demokratisierung der Arbeitswelt. Auch hier ist die Beweislast der wissenschaftlichen Forschung erdrückend. Die Liste der Studien, die einen Zusammenhang zwischen Mitbestimmung und Motivation aufdecken, ist beliebig lang.

Die acht vorgestellten Unternehmen sind wie oben bereits erwähnt sehr unterschiedlich. Unterschiedlich ist auch der Grad an Mitbestimmung oder der Bereich, in dem sie umgesetzt wird. Das beginnt bei Haufe Umantis, wo Führungskräfte gewählt werden, und endet bei Thyssen Krupp Rasselstein, wo sich die Mitbestimmung auf den Bereich des Gesundheitsmanagements reduziert. Aber auch dies kann ein erster Schritt sein, mehr Demokratie in Unternehmen zu wagen.

Wenn Sie sich vor dem Kauf des Buches noch tiefergehend über den Inhalt informieren möchten, sollten Sie sich diesen – relativ langen, aber sehr sehenswerten – Vortrag von Andreas Zeuch anschauen:

Praxisbezug

Der Praxisbezug des Buches ist außerordentlich hoch. Nicht etwa, weil es voll von Checklisten und Handlungsanweisungen ist, wie man am besten Unternehmensdemokratie umsetzt, sondern weil es den wahren Kern des Problems aufdeckt: Denn es gibt schlichtweg keinen Grund, warum Unternehmen hierarchisch geführt werden müssen. Setzt man sich mit Zeuchs Argumenten lange genug auseinander, kommt die Einsicht, dass diese Strukturen im Grunde überflüssig, ja sogar meistens negative Konsequenzen haben, von ganz alleine.

Außerdem widerspräche sich Zeuch mit einer engen Checkliste und Vorgaben letztlich selber. Unternehmensdemokratie, die auf Mit- und Selbstbestimmung basiert, kann auch nur selbstbestimmt und individuell entstehen. „Alle Macht für niemand“ hilft vor allem dabei, die richtigen Fragen zu stellen und sich nicht mehr mit den üblichen, abgedroschenen Antworten zufrieden zu geben.

Preis

Für ein Hardcover geht der Preis mit 25 € in Ordnung und „Alle Macht für niemand“ ist weder günstig noch teuer. Schade allerdings, dass es keine preiswerte Taschenbuchausgabe gibt.

Fazit

Must read!

Von | 2017-09-12T13:58:24+00:00 11. September 2017|Kategorien: Buchrezensionen|Tags: , , |1 Kommentar

Über den Autoren:

Ich bin Personal- & Organisationsentwickler bei der MediaMarktSaturn Deutschland GmbH und außerdem freiberuflich als Trainer tätig. Meine Themenschwerpunkte sind Führungskräfteentwicklung, Motivation, E-Learning und konstruktivistische Lerntheorie.

Ein Kommentar

  1. […] und Unternehmensdemokratie im Allgemeinen beschäftigen möchten, empfehle ich Ihnen das Buch Alle für niemand von Andreas […]

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