Rezension: Mindset

  • Rezension Mindset Dweck

Rezension: Mindset

Es gibt nur sehr wenige Augenblicke, in denen ich denke, schreibe oder sage: „Das müssen Sie gelesen haben!“ oder „Das muss man wissen!“ Menschen, die sich in einem Thema gut auskennen, glauben ja schnell, dass das, was sie für wichtig halten, automatisch auch für alle anderen wichtig sei.

Lassen Sie es mich daher so formulieren: Ich bin überzeugt, dass Carol Dwecks Buch Mindset Sie ungemein bereichern wird und Sie sich selbst und Ihre Umwelt mit anderen Augen sehen werden.

4.9 / 5 Gesamt
Pro
  • Viele Umsetzungstipps
  • Transferfragen
  • Positive Botschaft
Kontra
  • Extrem viele Fallbeispiele
Aufmachung
Inhalt
Praxisbezug
Preis

Aufmachung und Aufbau

Mindset gliedert sich in insgesamt acht Kapitel, die einen Seitenumfang zwischen zwölf und 40 Seiten haben. Im ersten Kapitel stellt Carol Dweck den Unterschied zwischen Fixed Mindset und Growth Mindset vor. Anschließend erläutert sie im zweiten und dritten Kapitel die Konsequenzen, die jedes Mindset für unser Lernen und Handeln hat. Das vierte, fünfte und sechste Kapitel geben zahllose Beispiele aus den Bereichen Sport (Kapitel 4), Unternehmenswelt (Kapitel 5) und zwischenmenschliche Beziehungen (Kapitel 6). Im siebten Kapitel gibt Dweck eine Vielzahl von inspirierenden Ideen und Umsetzungstipps für Eltern, Lehrer und Sporttrainer, um in Kindern, Schülern/Studenten und Sportlern das Growth Mindset zu fördern. Das abschließende achte Kapitel gibt anschauliche Beispiele durch verschiedene (reale) Dilemmasituationen und demonstriert daran durch einen Perspektivwechsel anschaulich den Wechsel vom Fixed Mindset hin zu einem Growth Mindset.

Jedes Kapitel wird außerdem mit einer kurzen, sehr treffenden Zusammenfassung abgeschlossen. Gezielte Fragen für den persönlichen Transfer, die den Leser nachdenklich machen, runden das Ganze ab.

Inhalt

Carol Dweck breitet in Mindset in eine Vielzahl an Beispielen zu Ihrem Modell des Fixed vs. Growth Mindsets aus und zeigt die Vorteile und den Nutzen des letzteren Selbstbildes auf. Das Fixed Mindset steht für den Glauben daran, dass unsere Intelligenz und unsere Fähigkeiten unveränderbar sind. Dieses Denken führt zu statischen Schwarz-Weiß-Labeln – sowohl auf uns selbst bezogen als auch auf andere. Wir sind entweder schlau oder wir sind dumm. Wir sind entweder schnell oder langsam. Entweder wir sind talentiert oder untalentiert. Gewinner oder Loser. Eng mit dem Fixed Mindset verknüpft ist der Glaube an Naturtalente, Wunderkinder oder den geborenen Sportler, Forscher, Trainer, Baumeister, Maler, Künstler, Sänger oder CEO.

Doch diese Denkweise und die damit einhergehenden Label haben dramatische Konsequenzen auf unser Handeln und unseren Erfolg. Der Glaube an die eigene Überlegenheit führt zwangsläufig dazu, Lernen, Anstrengung und Aufwand als etwas zu betrachten, das nur für diejenigen notwendig ist, die unterbemittelt sind: „Warum sollte ich lernen? Ich hab ja Talent! Lernen und Üben müssen nur die, die’s nicht drauf haben!“ Der Glaube an die eigene Unterlegenheit („Ich bin ein Loser!“) hat die gleiche Konsequenz: „Warum sollte ich mich anstrengen und lernen? Ich hab ja doch kein Talent! So weit wie talentierte Wunderkinder werde ich eh nie kommen. Dazu fehlen mir einfach die Voraussetzungen.“

Echte Herausforderungen, die uns helfen könnten, uns weiterzuentwickeln und uns zu verbessern, werden von Menschen mit dem Fixed Mindset systematisch vermieden. Jedes Scheitern bedeutet zwangsläufig, dass sie ihr Label und somit ihren Selbstwert verlieren. Echte Sieger scheitern nicht! Im Fixed Mindset ist Erfolg gleichbedeutend mit Sieg. Die statischen Schwarz-Weiß-Etiketten sind dabei in doppelter Hinsicht gefährlich: Positive Label erzeugen Angst, sie zu verlieren oder nicht verdient zu haben (insbesondere durch Scheitern und Fehler). Negative Label hingegen führen dazu, dass wir schnell davon überzeugt sind, sie träfen zu (und ließen sich auch nicht durch Lernen, Training und Anstrengung verändern).

Das Dramatischste am Fixed Mindset ist aber die häufig damit einhergehende Arroganz: Halte ich mich selbst für ein Naturtalent, Wunderkind oder einen begnadeten Menschen, resultiert dies in Schuldzuweisungen an die Umstände oder andere Personen, sollten Fehler auftreten.

Growth Mindset

Das Growth Mindset ist das genaue Gegenteil des Fixed Mindsets. Und im Gegensatz zum Aberglauben an das Fixed Mindset ist es sogar wissenschaftlich belegbar: Lernen, Anstrengung, Wiederholung und Aufwand führen dazu, dass unser Gehirn neue neuronale Verbindungen ausbildet und vorhandene Strukturen verstärkt.

Unser Hirn ist wie ein Muskel, der sich ein Leben lang trainieren lässt und keine unveränderbare Hardware wie ein Computerprozessor.

Dadurch erhalten Lernen, Anstrengung, Aufwand und Wiederholung eine vollkommen andere Bedeutung. Denn niemand weiß schon vorher, wie weit er selbst oder andere letztlich kommen können, wenn man nur genügend Durchhaltevermögen hat, zu lernen und sich auf seinem Weg nicht beirren lässt. Natürlich gibt es immer Menschen, denen eine bestimmte Sache leichter fällt als anderen. Aber:

Echte Herausforderungen werden durch das Growth Mindset zu einer sehr positiven Möglichkeit, uns zu verbessern. Denn Lernen und Verbesserung sind jederzeit möglich. Scheitern und Fehler sind keine negativen Erlebnisse, die wir vermeiden müssen, um unser Label „Naturtalent“ nicht zu verlieren. Fehler, Niederlagen und Scheitern sind die Ereignisse, aus denen wir am meisten lernen können, wenn wir uns nur intensiv damit auseinandersetzen.

TED-Talk von Carol Dweck

Praxisbezug

Auch wenn die zahllosen Beispiele aus Sport, Geschäftswelt, zwischenmenschlicher Beziehung, aus Schulen und Universitäten (in den Kapiteln 4 bis 6) dem einen oder anderen Leser vielleicht unnötig vorkommen mögen: Mindset hält gerade in drei ersten und vor allem in den beiden letzten Kapiteln extrem viele Hilfestellungen bereit, nicht mehr in die gedanklichen Fallen des Fixed Mindsets zu geraten. Es ist schon erstaunlich, wie leicht wir durch unbedachte Formulierungen offenbaren, dass wir in bestimmten Situationen immer wieder statischem Schwarz-Weiß-Denken erliegen.

Preis

Der Preis des Taschenbuchs ist mit 13 Euro sehr gut. Vor allem dann, wenn man ihn mit bei deutschen Fachbüchern üblichen Preisen vergleicht.

Fazit

  1. Dieses Buch wird Sie verändern
  2. Must Read! (insbesondere für Trainer, Lehrer, Eltern & Coaches)
Von | 2017-09-12T13:56:42+00:00 21. August 2017|Kategorien: Buchrezensionen, Didaktik, Lernen, Motivation, Personalentwicklung|Tags: , , |1 Kommentar

Über den Autoren:

Ich bin Personal- & Organisationsentwickler und freiberuflich als Trainer und Berater tätig. Meine Themenschwerpunkte sind Motivation, Führungskräfteentwicklung, digitales Lernen und konstruktivistische Lerntheorie.

Ein Kommentar

  1. […] und weniger leistungsfähigere Gehirne. Letztlich führt diese Sichtweise also zu dem, was Carol Dweck als Fixed Mindset […]

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