Rezension: The power of others

  • Rezension The Power Of Others

Rezension: The power of others

Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie menschliches Verhalten mit anderen Augen sehen. Menschen sind höchst soziale Wesen und wir orientieren uns stark an den Netzwerken, die uns umgeben. Wenn wir anderer Menschen beraubt werden, bedeutet das für uns nicht die absolute Freiheit, sondern den geistigen Zerfall.

3.3 / 5 Gesamt
Pro
  • Interessante Einblicke in die Funktion von sozialen Netzwerken
  • Verändert den Blickwinkel auf das, was wir "Persönlichkeit" nennen
Kontra
  • Schlechte Abbildungen
Aufmachung
Inhalt
Praxisbezug
Preis

Aufmachung und Aufbau

„The power of others“ gliedert sich in insgesamt acht Kapitel. Das erste Kapitel geht insbesondere auf die Prinzipien und Mechanismen ein, die menschliches Verhalten beeinflussen und hält dort eine Menge spannender Informationen bereit. Vieles von dem, was Sie dort lesen können, finden Sie so oder ähnlich auch in Christakis‘ und Fowlers Buch Connected. Die restlichen sieben Kapitel sind in sich gut strukturiert, die Reihenfolge ist jedoch ziemlich beliebig, da die Kapitel relativ wenig aufeinander aufbauen und in sich sehr geschlossen sind. Wer möchte, kann also – nach dem ersten Kapitel – auch irgendwo in der Mitte oder am Ende mit dem Lesen beginnen.

Etwas schlecht gedruckt sind die verwendeten Bilder, die extrem kontrastarm sind, sodass sich auf ihnen teilweise nichts erkennen lässt. So wie sie sind, sind sie wenig hilfreich.

Inhalt

Inhaltlich steckt Michael Bond einen großes Feld an menschlichen Verhaltensweisen ab, doch im Grunde bleibt seine Botschaft immer die gleiche: Das, was wir tun, ist in hohem Maße von dem Netzwerk, der Gemeinschaft und den Menschen, die uns umgeben, bestimmt. Und viel weniger ist der Grund für unser Verhalten in uns selbst und unseren Werten und Motiven zu finden. Bond gibt so auch interessante Antworten auf die Relevanz von Gemeinschaften hinsichtlich unserer Motivation, Dinge zu tun oder zu lassen.

So zeigt Bond nachvollziehbar, dass Menschenmassen gar nicht so unkalkulierbar sind, wie man häufig meint, sondern im Grunde sogar ziemlich intelligent handeln – nur eben nach anderen Regeln. Anhand von Stephen Reichers Modell der „sozialen Identität“ zeigt er etwa, dass wir in Gruppen neben unser persönlichen Identität auch eine soziale Identität entwickeln und uns sehr schnell an den dort herrschenden Normen orientieren. Selbst Massenmörder und andere Schwerverbrecher sind weit weniger häufig die Monster, die wir gerne in ihnen sehen, sondern übernehmen nur die Normen und Regeln ihrer Umgebung. Bond belegt die Tatsache, dass palästinensische Selbstmordattentäter sich in die Luft sprengen auch damit, dass die Zustimmung für solche Taten unter Palästinensern satte 80 % beträgt und Taten von Selbstmordattentätern in dieser Gesellschaft hoch angesehen sind. Selbst Soldaten auf dem Schlachtfeld vollbringen ihre Heldentaten nicht, weil sie sich durch besonders großen Mut auszeichnen oder Werte wie Ehre und Tapferkeit für sie besonders wichtig sind, sondern einfach aus der simplen Tatsache heraus, dass sie sich um das Leben ihrer Kameraden sorgen.

Ganz besonders beeindruckend ist das achte und letzte Kapitel, in dem Bond an Beispielen wie Guantanamo Bay ausführt, welche dramatischen Konsequenzen soziale Isolierung für unser psychisches Wohlbefinden hat.

Praxisbezug

Praktische Tipps oder konkrete Handlungstips gibt es in „The power of others“ eher selten. Nichtsdestotrotz ist es ein sehr lesenswertes Buch, denn selbst wenn einige Schilderungen sehr radikal formuliert wurden, wirft das Buch ein neues Licht auf menschliches Handeln und bietet dabei eine Menge neuer Sichtweisen. Wer sich auf Bonds Gedankengänge einlässt, wird in jedem Fall belohnt!

Preis

Mit 10,49 € als Taschenbuch preislich gesehen vollkommen in Ordnung und weder günstig noch teuer.

Fazit

Ein spannender Ausflug in die Welt der Soziologie. Wer es etwas konkreter und anschaulicher mag, sollte eher auf „Connected“ zurückgreifen. Danach jedoch kann „The power of others“ eine gute Ergänzung zum Buch von Fowler und Christakikis sein.

Über den Autoren:

Ich bin Personal- & Organisationsentwickler und freiberuflich als Trainer und Berater tätig. Meine Themenschwerpunkte sind Motivation, Führungskräfteentwicklung, digitales Lernen und konstruktivistische Lerntheorie.

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