Was sind Sketchnotes?

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Was sind Sketchnotes?

Über einen Artikel von Andrea Brücken bin ich kürzlich über einen mich sehr neugierig machenden Hashtag namens #Sketchnote gestolpert. Auf der diesjährigen re:publica 2104 gab es außerdem einen einstündigen (und sehr sehenswerten) Vortrag zum Thema Sketchnotes, welcher das Thema sehr eingängig erläutert.(1) Obwohl man leicht erkennt, dass es sich bei Sketchnotes um „visuelle Notizen“ handelt(2), wird in den vielen Quellen, die bisher zu finden sind, nicht genauer darauf eingegangen, was genau die Vorteile sind und warum man Sketchnotes nutzen sollte. Da ich persönlich immer sehr vorsichtig bin bei Dingen, die plötzlich alle tun, aber von niemandem hinterfragt werden, möchte ich den Hintergrund hier ein wenig erläutern.

Wozu Sketchnotes?

Sketchnotes dienen in erster Linie dazu, Inhalte, Themen und Informationen aus Vorträgen nicht (ausschließlich) mit Worten festzuhalten, sondern vorwiegend mit Bildern. Auch Schrifttypen, Linientypen, Farben und alle anderen Elemente können und sollen funktional eingesetzt werden. Das erleichtert unserem Gehirn das Speichern von Informationen durch multimediales Lernen und bietet zudem mehr Möglichkeiten, komplexe Themen einfach abzubilden.

Dabei steht nicht im Vordergrund, „Kunstwerke“ zu zeichnen, sondern für die eigenen Sketchnotes eine simple Bildsprache zu entwickeln, die immer auf den gleichen Prinzipien beruht und somit „in Fleisch und Blut“ übergeht. Solange bis ein Punkt erreicht ist, an dem das Erstellen von Zeichnungen genauso „ohne Nachdenken“ abläuft wie das vorherige Mitschreiben von Informationen.

Wie Sketchnotes funktionieren

Das Abrufen und Speichern der mitgezeichneten Informationen in den Sketchnotes fällt unserem Gehirn leichter, da verschiedene Areale des Gehirns angesprochen werden; es finden also an mehreren Punkten in unserem Kopf Verankerungen statt. Immer dann, wenn unser Gehirn nur in einem Bereich beansprucht wird, fällt es diesem schwer, Informationen abzuspeichern oder aufzunehmen.

Sie haben diesen Effekt sicherlich schon einmal erlebt: Er tritt immer dann auf, wenn ein Redner eine PowerPoint-Präsentation mitbringt, die auf jeder Folie (sehr) viel Text zeigt. Noch schlimmer wird es dann, wenn der Text auf der Folie einfach nur vorgelesen wird. Bei dieser Art von Vorträgen fällt es Ihnen schwer, sich auf den Inhalt zu konzentrieren, da Ihr Gehirn nicht weiß, welche Information es nun verarbeiten soll. Es wird sowohl mittels Text als auch durch das Sprechen auf dem „verbalen Kanal“ angesprochen, was eine hohe Belastung für das Gehirn ist. Der gleiche Effekt tritt auch auf, wenn Sie versuchen bei laufender Musik (mit Text) ein Buch zu lesen. Unweigerlich schweift die Konzentration immer wieder ab und Sie hören auf den Sänger, statt auf den Text im Buch zu achten. Hören Sie hingegen Instrumentalmusik tritt dieser Effekt nicht auf.

Aus diesem Grund nutzen gute Trainer ebenfalls viele Visualisierungen und eine eigene Bildsprache für Ihre Vorträge. Die Visualisierungen entlasten den verbalen Eingangskanal und die Nutzung von mehreren Kanälen (Bild, Farbe, Symbole) für ein und dieselbe Information hilft dem Gehirn, diese zu verarbeiten und (hoffentlich) langfristig zu speichern. Interessanterweise ist das Prinzip auch umkehrbar: auch der Zuhörer kann den verbalen Kanal entlasten, wenn er bei Vorträgen dazu übergeht, wichtige Aspekte nicht (nur) in Wörtern, sondern vorrangig in Bildern festzuhalten. Er kann sich mehr auf das konzentrieren, was der Redner sagt.

Mehr zum Thema Sketchnotes

Sketchnotes gehen auf den Illustratoren Mike Rohde zurück, dessen Buch – auch als Sketchnote verfasst – mittlerweile auch in Deutsch erhältlich ist. Ralf Appelt, einer der drei Redner von der re.publica 2014, hat eine eigene Webseite unter sketchnotes.de. Wer seinen visuellen Wortschatz aufpolieren möchte, sollte einen Blick auf Bikablo 1 und Bikablo 2 werfen. Diese sind zwar eigentlich für Flipchartpräsentationen gedacht, funktionieren aber auch tadellos für Sketchnotes.(3) Vieles findet sich auch unter dem Hashtag #Sketchnotes bei Google+.

Anmerkungen   [ + ]

1. Die Stunde Zeitaufwand lohnt sich!
2. Schließlich besteht der Begriff ja auch aus „Sketch“ und „Note“
3. Der Preis ist zugegebenermaßen recht hoch, aber jeden Cent wert!
Von | 2017-09-13T08:35:52+00:00 16. Mai 2014|Kategorien: Visualisieren|Tags: |9 Kommentare

Über den Autoren:

Ich bin Personal- & Organisationsentwickler bei der MediaMarktSaturn Deutschland GmbH und außerdem freiberuflich als Trainer tätig. Meine Themenschwerpunkte sind Führungskräfteentwicklung, Motivation, E-Learning und konstruktivistische Lerntheorie.

9 Kommentare

  1. […] zu üben, las­sen Sie das Üben ruhen und tun etwas ande­res. Bei­spiels­weise könn­ten Sie Sketch­no­tes anfer­ti­gen und ein­mal etwas machen, was nichts (bezie­hungs­weise nicht so viel) mit […]

  2. […] wenn Sie bei Ihren Notizen viele Icons und Symbole verwenden, wie dies beispielsweise bei der Sketchnotes-Technik üblich ist. Diese visuelle Technik ist sehr effektiv, wenn Sie sich Dinge merken möchten, achten […]

  3. […] wäre eine Studie dazu, wie sich das Anfertigen von Sketchnotes auf die Lernleistung auswirkt. Leider gibt es hierzu (noch) keine […]

  4. […] wenn Sie bei Ihren Notizen viele Icons und Symbole verwenden, wie dies beispielsweise bei der Sketchnotes-Technik üblich ist. Diese visuelle Technik ist sehr effektiv, wenn Sie sich Dinge merken möchten, achten […]

  5. […] alle Trainer, die neben einer schönen Flipchartgestaltung auch gerne Sketchnotes anfertigen, habe ich mir mal die fineOne Artmarker von Neuland angeschaut und sie einer genauen […]

  6. […] den fineOne Artmarkern von Neuland gibt es zum Kolorieren von Sketchnotes auch noch den sogenannten Faber Castell PITT Artist Pen. Dieser ist wie die Neulandmarker sehr […]

  7. Timo 10. April 2017 um 19:32 Uhr- Antworten

    Hallo Lars,
    schöne Zusammenfassung zum Thema Sketchnotes. Ich bin schon immer totaler Fan davon gewesen, aufgenommen Informationen grafisch für mich selbst aufzubereiten. Es macht soviel aus, dass man sich näher mit den Inhalten befasst und versucht diese zu visualisieren, dass das „sich etwas merken“ quasi automatisch passiert. Und man kann es so toll überall anwenden. Sei es die Einkaufsliste, ein Protokoll oder sogar die Aneignung einer neuen Sprache. 🙂

    Ein guter Tipp zum selber üben: Sketchnotes zu kleinen Sach- und Wissensfilmen anfertigen, wie z.B. Wissen macht Ah oder zur Sendung mit der Maus. Das trainiert die Bildvokabeln und nebenbei lernt man noch allerhand!

    LG
    Timo

    • Lars Richter 11. April 2017 um 14:11 Uhr- Antworten

      Hallo Timo!

      Danke für Dein Feedback =)

      Schicke Homepage übrigens! Die Idee mit dem Videokurs finde ich klasse, das werde ich mir bei Gelegenheit mal anschauen. Leider komme ich momentan so gut wie gar nicht zum Zeichnen und Sketchnoten :'(

      Liebe Grüße,
      Lars

      • Timo 11. April 2017 um 22:23 Uhr- Antworten

        Danke für das Lob, freut mich. 🙂 Ich habe auch immer solche Phasen in denen ich irgendwie nicht dazu komme. Manchmal muss man sich halt zwingen, irgendwelche Notizen zu „Sketchnoten“. Und wenn es nur eine Einkaufsliste ist. 😉

        LG
        Timo

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